Fair und Bio im Besprechungsraum

Wiebke Brüssel

Oktober 2021

11-2021

Es ist September, und in Bremen läuft die faire Woche. Verteilt über die Stadt gibt es Veranstaltungen rund um die Sustainable Development Goals (SDGs). Organisationen wie das Bremer entwicklungspolitische Netzwerk, das Klimaquartier Ellener Hof, die Verbraucherzentrale, die Bremer Senatskanzlei und andere stellen ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine. Auch ich bin dabei und erzähle Besucherinnen und Besuchern, wie einfach Klimaschutz im Alltag möglich ist.

Alle Veranstaltungen haben ein gemeinsames Ziel: die Menschen in dieser Stadt zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Jeder Beitrag zählt. Gerade wir Unternehmenden haben vielleicht einen größeren Hebel, den wir zum Wohl anderer Menschen und der (Um-)Welt einsetzen können.

 

Wir selbst haben uns zuerst im privaten Umfeld mit einer nachhaltigen Lebensweise beschäftigt und das dann schnell auf unsere unternehmerische Tätigkeit übertragen. Inzwischen entstand daraus sogar ein neues Geschäftsfeld. Wir haben dabei den Planeten mehr in den Vordergrund und uns selbst etwas mehr in den Hintergrund gestellt. Immerhin ernährt uns die Erde und bietet uns (noch) einen menschenfreundlichen Lebensraum – aber sie kommt auch bestens ohne uns aus.

 

Höchste Zeit, mehr zu tun, damit es der Erde besser geht. Hier sind ein paar Ideen für alle Unternehmensgrößen.

 

Das schaffen wir alle:

 

  • Fair gehandelten und ökologisch produzierten Kaffee und Tee bei Besprechungen anbieten – oder je nach Budget auch in den Kaffeeküchen der Mitarbeitenden bereitstellen.
  • Nachhaltige Lieferanten für Büro- und anderes Material suchen.
  • Ökostrom für das Gebäude beauftragen.
  • LEDs in allen Lampen anbringen.
  • Intelligentes Lüften einführen (auch nach Corona).
  • Papiersparend arbeiten.
  • In Teambesprechungen regelmäßig (zum Beispiel viermal im Jahr) über Möglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit diskutieren.
  • Einen möglichst großen Teil vom Firmengelände in ein Biotop für Insekten und andere Tiere verwandeln. Wer selbst kein Gelände hat, kann ein Blühstreifen-Projekt oder Baumpflanzungen unterstützen.

Schon mehr, aber auch für kleinere Organisationen noch machbar:

 

  • Eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeiten (das geht mit überschaubarem Aufwand).
  • Ein Energiespar-Programm im Unternehmen entwickeln und einführen, zum Beispiel regelmäßig den Stromverbrauch aller Elektrogeräte, auch der Kaffeemaschinen und Wasserkocher, prüfen.
  • Wassersparideen entwickeln umsetzen. Ein Beispiel: Firmengeschirr für alle, das in die Spülmaschine wandert, damit nicht jeder seine Tassen individuell mit viel Wasser spült.

 

Wer noch mehr tun kann und möchte:

 

  • Die eigene Lieferkette prüfen und Lieferanten austauschen, die gegen Menschenrechte und Umweltauflagen verstoßen – auch wenn das eigene Unternehmen nicht unter das Lieferkettengesetz fällt.
  • Einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen – auch wenn man weniger als 250 Mitarbeitende hat und zu einem solchen Bericht nicht verpflichtet ist. Sie werden dabei viel über ihr Unternehmen lernen.
  • Energie selbst durch klassische erneuerbare oder spezielle, intelligente Systeme wie Abwärme erzeugen.
  • Die Unternehmensstrategie an den Sustainable Development Goals ausrichten.
  • Mitarbeitende mit der Aufgabe betrauen, sich um Nachhaltigkeit zu kümmern und entsprechende (Entscheidungs-)Kompetenzen erhalten. Diese Personen sollten möglichst direkt der obersten Ebene unterstellt werden.
  • In Teambesprechungen regelmäßig (zum Beispiel viermal im Jahr) über Möglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit diskutieren.
  • Dächer begrünen (wenn es die Statik zulässt und neben den Solarkollektoren noch Platz ist).
  • Neue Gebäude nach bestmöglichem Umweltstandard errichten und dabei möglichst wenig Fläche versiegeln.

 

Ich denke, auch wenn viele von uns (noch) kein gesetzlicher Zwang trifft, ist eine Investition von Zeit und Geld in Nachhaltigkeit eine gute Anlage. So manche Ressourcen-Sparmaßnahme zahlt sich durch zukünftige Einsparungen aus und wird vielfach sogar gefördert. Noch ein Plus: wer von seinen Kund*innen nach dem Beitrag zu den SDGs gefragt wird, kann authentisch antworten und sich von „Green-Washern“ abheben.

 

Nachhaltigkeitsprojekte sind eben nicht nur etwas für Großunternehmen. Wenn ein großes Produktionsunternehmen eine riesige Halle mit Solarkollektoren ausstattet, dazwischen noch ein Gemüseerzeugungsgelände für die eigene Kantine betreibt, Wasserstoff erzeugt und damit die Fahrzeugflotte klimaneutral betreibt, ist das eine große Leistung. Sie erzeugt viel Aufmerksamkeit und wird vielleicht sogar prämiert. Aber nicht vergessen: Vorher hat das Unternehmen ja auch einen viel größeren ökologischen Fußabdruck gehabt als ein kleiner Dienstleister. Dafür sind wir „Kleinen“ viele und können so gemeinsam einen großen Beitrag leisten.

 

Ich finde: Wer im eigenen Wirkungskreis für Nachhaltigkeit tut, was möglich ist, verdient Anerkennung. Und eines kann ich aus eigener Erfahrung berichten: es ist einfach ein richtig gutes Gefühl.

 

Ich freue mich über alle, die mitmachen.

 

Über die Autorin

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin und Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüro Nord.

 

Das Strategiebüro Nord arbeitet für Unternehmen und Organisationen im privaten, sozialen und öffentlichen Bereich, für Gründer und für Firmen am Anfang ihrer Entwicklung.

 

Dabei geht es um individuelle Fragestellungen, die sich oft aus den Trends unserer Zeit ergeben. Hierfür entwickeln wir lösungsoffen und teamorientiert strategische Konzepte, die langfristig den Erfolg sichern.

 

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