Rollern oder nicht – eine strategische Entscheidungsübung

Wiebke Brüssel

Oktober / November 2019

 

Eines der aktuellen Themen in unseren Medien ist die Diskussion über Elektro-Tretroller oder Elektroscooter, kurz E-Scooter. Es gibt, wie so oft, jede Menge Befürworter und Gegner. Vor kurzem las ich auf einer sozialen Plattform die Frage, wer schon Erfahrungen hat und Tipps zum Kauf eines E-Scooters geben kann. Sie eignet sich sehr gut als Übungsfall, um ein Thema strategisch zu durchleuchten.

Los geht’s.

 

Am Anfang stellen wir uns zunächst für eine Minute vor, bequem und lässig auf einem E-Scooter zu stehen. Wenn Sie das auch gerade tun: Welche Jahreszeit sehen Sie vor Ihrem inneren Auge? Ich vermute, dass es warm und sonnig ist. Aber jetzt ist Herbst. Und da sieht das möglicherweise schon ganz anders aus.

 

Und schon sind wir bei den Herausforderungen – Trends und Entwicklungen, die eine strategisch basierte Entscheidung für oder gegen einen E-Scooter beeinflussen:

  • Das (Bremer) Wetter und die Jahreszeit,

  • E-Mobilität – der Trend in Richtung alternativer Antriebe,

  • Mikromobilität – kurze Strecken bequem überwinden,

  • Sharing Economy – E-Scooter leihen statt kaufen,

  • Trend zur Müllvermeidung (Zero Waste) und nachhaltigen Lebensweise,

  • gesetzliche Regelungen in Bezug auf die E-Scooter (Wegenutzung und Abstellen),

  • Sicherheit der eigenen Daten,

  • Wahrung der eigenen Gesundheit.

Die Herausforderungen dienen als Inspiration für das Abwägen von Argumenten für oder gegen Kauf und Nutzung eines E-Scooters. So bekommt die spätere Entscheidung ein solides Fundament.

 

Für einen E-Scooter spricht:

  • Ich nutze E-Mobilität.

  • Ich komme bequem und flexibel von A nach B, zum Beispiel in der Stadt vom Bahnhof zum Arbeitsplatz.

  • E-Scooter sind nicht schwer und gut tragbar – gut, wenn ich verschiedene Verkehrsmittel kombinieren will.

  • E-Scooter sind cool und trendy und haben einen hohen Spaßfaktor.

  • Ich reduziere die Feinstaubbelastung in der Innenstadt, wenn ich einen E-Scooter statt eines Autos nutze.

  • Ich fördere die Ansiedelung von Gewerbe (Verleihfirmen) und von Nebenerwerbsmöglichkeiten (z.B. für die „Juicer“, die Menschen, die Scooter einsammeln und aufladen).

  • Ich brauche keinen Führerschein für die Nutzung dieser Roller. Helmpflicht besteht auch nicht.

  • Ich kann mir zwar einen E-Scooter kaufen, aber ich kann auch einen leihen. Leihgeräte werden gut genutzt, und ich muss mich um nichts kümmern.

  • Professionelle Verleiher verpflichten sich teilweise, die Geräte fachgerecht zu recyceln.

Dagegen spricht:

  • Ich nutze vielleicht einen E-Scooter, aber das eigene Auto auch.

  • Ich bewege mich auf viel befahrenen Wegen und könnte verletzt werden. Ich muss mir die Wege mit PKWs und (E-)Bikes teilen.

  • Gerade in den regenreichen und kalten Jahreszeiten mit nassen Blättern und Frost wird es zusätzlich gefährlich.

  • Ich bewege mich noch weniger als vorher (wenn ich die Wege bisher gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren bin).

  • Durch die Nutzung trage ich zur Belastung der Umwelt bei – das gilt aber auch für andere Elektrofahrzeuge. Die meisten E-Scooter kommen aus China, haben einen langen Weg hinter sich und werden dort ggf. mit Hilfe von Kohleenergie hergestellt.

  • Ich fördere prekäre Arbeitsbedingungen im Ausland (Rohstoffgewinnung, Produktion) und eventuell auch im Inland (Juicer bekommen wenig Geld für ihre Arbeit).

  • Ich nutze ein Produkt, das schnell kaputt geht. Die Zahlen dafür variieren. So hat eine Universität in North Carolina festgestellt, dass E-Scooter des Verleihers Bird im Durchschnitt nur 28,8 Tage halten; andere Zahlen gehen von 3 Monaten aus.

  • Bei Leih-Scootern werden in vielen Fällen meine Bewegungsdaten erfasst. Damit verzichte ich auf einen Teil Privatsphäre.

  • Ich sorge für einen zusätzlichen Energiebedarf, der nicht unbedingt mit nachhaltiger Energie bedient wird bzw. werden kann. Fraglich ist auch, wie der Strom für das Aufladen der E-Scooter erzeugt wurde.

  • Ich kann den E-Scooter nicht einfach überall abstellen. Das gilt vor allem für Leihgeräte, für die es Auflagen gibt.

Bestimmt gibt es noch mehr Pro- und Contra-Argumente, doch ich denke, die Listen genügen. Nach der sorgfältigen Analyse haben wir genug Material gesammelt, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das ist sehr individuell, und deshalb verabschiede ich mich an dieser Stelle und überlasse Sie Ihrem ganz persönlichen Entscheidungsprozess.

 

Über die Autorin:

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin. Seit 2013 ist sie Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüro Nord.

 

Wir arbeiten für Unternehmen und Organisationen im privaten und öffentlichen Bereich.

Unsere Leistungen sind vielfältig und umfassen strategische Masterpläne oder die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, aber auch Projektplanung und -begleitung oder die Zusammenstellung von Konzepten. Wir kümmern uns auch um individuelle Fragestellungen wie zum Beispiel die Verbesserung der internen Kommunikation.

 

Dabei legen wir großen Wert auf Transparenz und erarbeiten vieles in Workshops. Die Ergebnisse stellen wir in einer ansprechenden Dokumentation für Entscheider, Unterstützer und Geldgeber zusammen.

 

Auch Gründer und Firmen, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen, sind bei uns gut aufgehoben: Wir kennen uns aus mit Businessplänen, Geschäftsstrukturen und Organisation. Auch das Thema „Förderung“ sprechen wir aktiv an.

 

Wenn es um „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ geht, finden wir gemeinsam genau die Maßnahmen, die in Unternehmen oder Organisation den größten Nutzen bringen. So sorgen wir für Sicherheit bei Entscheidungen und Investitionen.

 

Wir sind Mitglied des Digitalisierungs-Beraterpools der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

 

Kontakt:

 

Strategiebüro Nord GbR
Tel. 0421 – 69 20 99 68

bruessel@strategiebuero-nord.de
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Dieser Beitrag erschien im Oktober 2019 auf den Exxtra Seiten Bremen
(
www.exxtraseiten.de).

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