Vor Fossil(i)en wird gewarnt

Wiebke Brüssel

März 2020

 

Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr. Seit kurzem hat auch die Fondsgesellschaft BlackRock hat das Geschäftsmodell „Nachhaltig Anlegen“ für sich entdeckt. Entscheidungen für Beteiligungen hängen künftig zum Beispiel davon ab, ob Unternehmen fossile Brennstoffe verwenden oder – noch problematischer – Geschäftsmodelle haben, die ohne diese nicht auskommen. Hinzu kommen noch viele weitere Faktoren zur Beurteilung der Nachhaltigkeit.

Im Februar durften wir an der Jahresauftaktveranstaltung des HWWI[1] in Bremen teilnehmen. Auf dem Podium hatte sich eine Runde von Diskutierenden aus Forschung und Lehre versammelt, um über Impulse aus der Politik zu reden, mit denen unsere Wirtschaft in Schwung kommen soll. Namentlich erwähnen möchte ich die einzige Frau in diesem Kreis, Claudia Kemfert, Expertin für Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

 

Frau Kemfert stellte fest, dass in den Bilanzen zahlreicher Unternehmen „fossiles Kapital“ steckt – also Technik, die fossile Brennstoffe braucht oder einen großen Energiebedarf damit deckt. Vor allem betrifft das die Automobilindustrie, doch auch kleinere Unternehmen setzen noch darauf. Auf solche Geschäftsmodelle kommen in den nächsten Jahren Probleme zu. Das kann eine steigende CO2-Abgabe sein, die Profite stark begrenzt. Das kann aber auch die Kauf-Verweigerung der Kunden sein, die nachhaltiger leben wollen und keine Produkte mehr erwerben, die umweltschädlich produziert werden. Diese Warnung lässt sich übrigens auch auf andere Branchen übertragen, die die Umwelt beschädigen.

 

Doch in jedem Risiko stecken auch Chancen. Wir erleben das in unseren Projekten immer wieder, wenn wir gemeinsam mit unseren Kunden Möglichkeiten erarbeiten, um Risiken in Chancen zu verwandeln. Die meisten Unternehmen haben spezielle Fähigkeiten, die sich auch für neue, zeitgemäße und nachhaltige Geschäftsmodelle einsetzen lassen. Im Rahmen eines Strategieprojektes lassen sich diese aufspüren und nutzen.

 

Auch Start-Ups können schon bei der Gründung darauf achten, nicht in die CO2-Falle zu tappen. Viele starten direkt mit digitalen Produkten und Projekten. Das verursacht vielleicht keinen sichtbaren „Schmutz“, kostet aber eine ganze Menge Energie, zum Beispiel für Software, Server und Recherche. Auch hier könnten umweltbewusste Kunden also die Frage stellen, aus welchen Quellen die Energie kommt.

 

Für Unternehmen, die viel mit Fahrzeugen arbeiten, ist es sinnvoll, sich rechtzeitig mit dem Thema „Wasserstoff“ zu beschäftigen. Mehr als Elektromobilität (mit Batterietechnik, die ebenfalls auf fossilen Elementen basiert) könnte das die Antriebstechnik der Zukunft werden. In Bremerhaven entwickelt sich gerade ein Cluster, in dem Expertise auf diesem Gebiet aufgebaut wird.

 

In den nächsten Jahren werden Unternehmen und Organisationen aller Branchen und Größenklassen gezwungenermaßen vor der Aufgabe stehen, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und zu präsentieren. Gut informierte Konsumentinnen, Konsumenten und Investoren werden zunehmend darauf achten, wo sie kaufen und ihr Geld investieren.

 

Auch wenn es immer mehr Möglichkeiten und Regelungen für eine finanzielle CO2-Kompensation oder eben auch politischen Zwang zu Abgaben gibt, ist es doch besser, neue oder vorhandene Geschäftsmodelle so schnell wie möglich nachhaltig zu machen.

 

Wer auch weiterhin die Nase vorn haben und nicht zum Fossil werden will, fängt jetzt damit an.

 

[1]    Hamburgisches WeltWirtschafts Institut.

 

Über die Autorin

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin und Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüro Nord.

 

Das Strategiebüro Nord arbeitet für Unternehmen und Organisationen im privaten und öffentlichen Bereich, für Gründer und für Firmen am Anfang ihrer Entwicklung.

 

Dabei geht es um individuelle Fragestellungen, die sich oft aus den Trends unserer Zeit ergeben. Hierfür entwickeln wir lösungsoffen und teamorientiert strategische Maßnahmen und Ziele, die langfristig den Erfolg sichern.

 

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Dieser Beitrag erschien im März 2020 auf den Exxtra Seiten Bremen
(
www.exxtraseiten.de).

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