Less Mail is More

Wiebke Brüssel

Dezember 2019 / Januar 2020

 

Der Spruch “Weniger ist Mehr” begleitet mich schon viele Jahre. Die Generationen, die noch Krieg und Entbehrung erlebt hatten – meine Großmutter und meine Mutter –, verwendeten ihn gern. Und heute, in Zeiten der Klimaproblematik, bekommt er neue Aktualität.

Jetzt gerade beim Schreiben ploppen in einem kleinen Fenster meines Computers immer mal wieder Mails auf. Über manche davon werde ich mich freuen, manche können vermutlich auch gleich gelöscht werden. Kümmern muss ich mich auf jeden Fall darum – als Selbständige besonders, privat aber auch. Zeitmanagement-Experten haben schon viel über den Zeitfress-Aspekt unserer Mailflut geschrieben. Deshalb ist das jetzt auch nicht mein Thema.

 

Es gibt noch einen anderen Grund, weniger Mails zu schreiben. Und der hat direkt etwas mit unserem Energieverbrauch zu tun – und damit auch mal wieder mit dem Weltklima.

Das britische Energieunternehmen OVO hat eine Studie in Auftrag gegeben. Es sollte geprüft werden, ob sich durch die Reduzierung der Anzahl von Mails nennenswert Energie sparen lässt. Dabei ging es nicht um den Versand notwendiger Mails, sondern um Einsparpotenziale bei Mails mit wenig Inhalt. Als solche nannte die Studie Mails, die nur wenige Worte umfassen, wie

  • „Danke“ in allen Variationen,

  • „Schönen Abend“, „schönes Wochenende“, „schönes …“, oder

  • Emojis aller Art

und ähnliches. Bestimmt fallen Ihnen noch viel mehr Beispiele ein.

Wir alle kennen solche Mails, und ja, auch ich habe sie verschickt. Nicht jeden Tag, doch immer mal, und ohne mir viele Gedanken darum zu machen. Doch das folgende Rechenbeispiel der Briten hat mich dann doch beeindruckt.

  • OVO geht davon aus, dass eine Mail ca. 1 Gramm CO2 erzeugt. Mailverkehr braucht Energie, und die kommt ja in den meisten Fällen noch nicht aus regenerativen Quellen.

  • Jeder Brite über 18 versendet im Durchschnitt 10 Mails pro Woche. die, sagen wir mal, keinen wirklich produktiven Inhalt haben. Das sind gut 520 Mails im Jahr. Dabei geht OVO davon aus, dass 86 % der Briten ab 18 Jahre Nutzer eines Mailprogramms sind. Bei dieser Berechnung gehen die Briten von über 64 Mio. Mails aus, die vielleicht nicht notwendig wären. Würde jeder erwachsene Brite pro Tag nur auf eine einzige unnötige Mail verzichten, könnten so in einem Jahr über 16.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie viel das ist: Das wären über 81.000 Flüge von Großbritannien nach Spanien oder gut 3.300 Diesel-Fahrzeuge weniger auf den Straßen. Eine Buche müsste 80 Jahre lang wachsen, um eine Tonne CO2 aufzunehmen.

 

Wenn wir die Datenbasis der OVO-Studie auf Deutschland übertragen, versenden wir Deutschen knapp 76 Mio. solcher Mails pro Jahr. Ausgeklammert werden an dieser Stelle die Jugendlichen, die vermutlich großzügig beitragen. Dafür sind in den Basiswerten auch Ältere, die vermutlich weniger Mails versenden.

 

Wenn jede(r) von uns im Durchschnitt pro Tag eine nicht wirklich notwendige Mail einspart, also 365 Mails pro Jahr, wären das „nur“ 365 Gramm pro Jahr. Doch hochgerechnet auf uns alle summiert sich das auf gut 19.000 Tonnen CO2 pro Jahr, die wir einsparen können.

 

Natürlich könnte man das jetzt einen Tropfen im Meer nennen. Aber um Mike Berners-Lee, einen britischen Klimaforscher und Autor frei zu zitieren: „Wann immer wir solche kleinen Änderungen in unserem Leben vornehmen, ob weniger E-Mails oder ein wiederverwendbarer Kaffeebecher, sollten wir das als Erinnerung für uns und andere betrachten, die richtig großen CO2-Entscheidungen noch wichtiger zu nehmen.“ Und diese kleine Änderung im Mailverhalten ist doch wirklich einfach umzusetzen.

 

Für mich ist diese Studie zumindest ein Anlass, mein eigenes Verhalten zu reflektieren. Wer ab dem nächsten Jahr keine Mini-Mail mehr von mir bekommt, den habe ich nicht weniger gern. Ich spare eben nur ein wenig CO2. Und wenn ich schon dabei bin, könnte ich jetzt auch mal die Newsletter prüfen, die ich immer bekomme. Welche davon lese ich eigentlich regelmäßig?

 

Vielleicht ist mein Vorschlag ja auch ein schöner Neujahresvorsatz für Sie? Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen einen guten Start in das Jahr 2020. Wer mehr über die britische Studie lesen möchte: Hier ist ein Link auf eine gute Zusammenfassung.

 

Über die Autorin

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin und Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüro Nord.

 

Das Strategiebüro Nord arbeitet für Unternehmen und Organisationen im privaten und öffentlichen Bereich, für Gründer und für Firmen am Anfang ihrer Entwicklung.

 

Dabei geht es um individuelle Fragestellungen, die sich oft aus den Trends unserer Zeit ergeben. Hierfür werden lösungsoffen und im Team mit dem Auftraggeber strategische Maßnahmen und Ziele entwickelt, die langfristig den Erfolg sichern.

 

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Dieser Beitrag erschien im Dezember 2019 auf den Exxtra Seiten Bremen
(
www.exxtraseiten.de).

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