Veranstalten mit gutem Gewissen

Wiebke Brüssel

Juli / August 2019

 

Vor ein paar Wochen hatten wir die Gelegenheit, an einer sehr inspirierenden Veranstaltung teilzunehmen.

 

Das Thema war „Nachhaltig veranstalten“. Ich hatte mich bisher nicht viel damit beschäftigt. Generell übernehmen unsere Kunden die Organisation der Veranstaltungen, für die sie uns dann als Moderatoren buchen. Doch es lohnt sich, die Möglichkeiten zu kennen, was Veranstalter besser machen können.

Als Moderatorin und Teilnehmerin an vielen Vorträgen, Tagungen und Workshops freue ich mich immer, wenn Müll vermieden wird. Bei einer großen Veranstaltung wurden beispielsweise Speisen in kleinen Weck-Gläsern serviert. Die sind sehr stabil und hinterlassen keinen Müll. Aber es gibt noch viel mehr Ideen und Möglichkeiten. Hier eine kleine Auswahl meiner persönlichen „Aha-Momente“:

  • Bevor umfangreiche Reiseaktivitäten entstehen, kann geprüft werden, ob es auch andere Möglichkeiten (Skype, Videokonferenz) gibt. In manchen Fällen ist ein persönliches Treffen wichtig, manches kann aber auch anders geregelt werden. Am Anfang unserer Selbständigkeit haben wir ein amerikanisches Unternehmen bei der Strategieentwicklung unterstützt – komplett per Mail und Skype von Deutschland aus. Das hat sehr gut funktioniert.

  • Bei der Auswahl des Ortes kann auf eine gute ÖPNV-Anbindung und sichere Fahrradabstellplätze geachtet werden. Kostenpflichtige Veranstaltungen können die Organisatoren mit Anreizen verknüpfen, den ÖPNV zu nutzen: Wie wäre es mit einem Kombi-Ticket für die Veranstaltung und die Nutzung von Bus und Bahn bei der Anreise?

  • Für Anreisende mit dem Auto könnte über die Anmelde-Website des Veranstalters eine Plattform für Mitfahrgelegenheiten angeboten werden.

  • Statt Handouts in großer Menge zu drucken und auszulegen, können Dateien im Anschluss gemailt werden (das machen zum Glück auch schon viele Referenten).

  • Von Info-Material kann ein Belegexemplar ausgelegt werden. Wem es gefällt, findet auf einem Aufsteller einen QR-Code, über den sie oder er auf die Bestell-Web­site gelangt.

  • Ein richtig weites Feld ist das Catering. Ich bin begeistert, wenn ganz einfache Lösungen gefunden werden, wie die schon erwähnten Weck-Gläschen und große Krüge mit Leitungswasser (vor allem hier in Bremen ist das Wasser wirklich gut). Viele Lebensmittel können aus regionaler Erzeugung und zu fairen Preisen gekauft werden. Auch beim Transport der Lebensmittel kann auf Nachhaltigkeit geachtet werden. „Buy local“ verkürzt die Wege.

  • Wer ganz sicher sein will, wählt Veranstaltungsorte, die ihre nachhaltige Arbeitsweise durch eine Zertifizierung nachgewiesen haben.

  • Kaffee und Tee können bei Bedarf auch nachgekocht werden. So wird weniger weggekippt. Es wäre ja schade drum, vor allem, wenn es fair gehandelte Produkte sind.

  • Es geht auch mal mit weniger Fleisch. Das Essen bei der oben genannten Veranstaltung war lecker vegetarisch und schmeckte auch Fleischliebhabern. Für sie war es „mal was anderes“.

Mehr Tipps und richtig tolle Checklisten mit den wesentlichen Kriterien finden sich in einer Broschüre des Bundesamtes für Umwelt. Verfügbar ist sie hier: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-leitfaden-fuer-die-nachhaltige.

 

Ganz ehrlich: Konventionell organisierte Veranstaltungen machen viel weniger Arbeit. Aber dafür bekommen nachhaltig denkende Gastgeber nicht nur ein gutes Gefühl, sondern positionieren sich als zukunftsorientiere Unternehmen – und bekommen nebenbei bestimmt auch so manches Kompliment von ihren Gästen.

 

Viel Erfolg beim nachhaltigen Organisieren und einen schönen August.

 

Über die Autorin

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin und Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüro Nord.

 

Das Strategiebüro Nord arbeitet für Unternehmen und Organisationen im privaten und öffentlichen Bereich, für Gründer und für Firmen am Anfang ihrer Entwicklung.

 

Dabei geht es um individuelle Fragestellungen, die sich oft aus den Trends unserer Zeit ergeben. Hierfür entwickeln wir lösungsoffen und teamorientiert strategische Maßnahmen und Ziele, die langfristig den Erfolg sichern.

 

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Dieser Beitrag erschien im Juli 2019 auf den Exxtra Seiten Bremen
(
www.exxtraseiten.de).

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